© Klaus Hofmann   

 

Schmöllner Knöpfe

 

 

Historie

 

 

 

 

 

 

Die Verarbeitung 

der Steinnüsse erfolgte in mehreren Arbeitsgängen, worüber bereits die Berufsbezeichnungen der Arbeiter, wie Anbohrer, Ausbohrer, Abschneider, Dreher, Löchner, Nußschneider, Färber oder Hülsenleser Aufschluß geben. 

 

 

Die Bearbeitung geschah spanabhebend. Zunächst war die Steinnuß von ihrer harten Schale manuell durch Abklopfen zu befreien. In der Anfangszeit bewältigte man diese Tätigkeit in Heimarbeit, später mit Abklopftrommeln. Danach wurden die Nüsse mittels Kreissägen (Sägemaschinen) in Platten oder Scheiben zersägt, wobei der Arbeiter die Nuß mit den Zeigefingern der Hände haltend durch das Sägeblatt führen mußte. Dieser Arbeitsgang erwies sich als besonders gefährlich und abgesägte Fingerkuppen sollten bald zum Kennzeichen eines Knopfarbeiters gehören.

 

In der Fabrikation unterschied man zwei Systeme , das ältere ‘Anbohrsystem’ und das ‘Plattensystem’. Beim Anbohrsystem wurde die Nuß in zwei Hälften zersägt, wobei der Anbohrer je nach Knopfart die Vorderseite oder die Rückseite des Knopfes auf die jeweilige Nußhälfte ‘anbohrte’. Der Ausbohrer bohrte dann im nächsten Arbeitsgang die angebohrten Knöpfe von der Rückseite her aus. Im Resultat beider Arbeitsgänge entstand der rohe Knopf, dessen rauhe Oberfläche auf der ausgebohrten Seite durch den Abschneider glatt geschnitten werden mußte. Im Unterschied dazu wurde bei der Fertigung im Plattensystem die Nuß in Scheiben (Platten) zersägt. Im Regelfall erhielt man dabei 4 Platten. Danach  gelangten diese in die Fräserei, wo durch Ausfräsen der Rondelle aus der Platte der Rohknopf, ähnlich wie beim Anbohrsystem, entstand. Nach dem Sortieren der Scheiben (Scheibensortiermaschine) bohrte man also die Knopfrohlinge, Rondelle aus. Dafür wurden verschiedene Arten von Bohrmaschinen verwendet.

 

In heutiger Zeit werden diese Arbeiten größtenteils in den Anbauländern, beispielsweise Ekuador, ausgeführt, so daß die Knopffirmen fertige Rondelle in allen gewünschten Größen ordern und in der heimischen Fabrik die Endfertigung der Knöpfe realisieren können.

 

Den vorab beschriebenen Arbeitsgängen folgten das Drehen der Vorderseite des Knopfes, das sogenannte Gesichtdrehen, das Bohren der Annählöcher und das Faßschleifen und Polieren zur Beseitigung von Unebenheiten. Durch Färben und Spritzen, Faßpolieren, Hochglanzpolieren und Aufpressen eines Dekors konnte man letztlich dem Knopf das gewünschte Aussehen verschaffen. Der Arbeitsgang Schleifen und Polieren dauerte bis zu einer Woche, wobei die Knöpfe die ganze Zeit über mit Stearinöl und Kreide poliert wurden. Im nächsten Schritt konnte der glänzende weiße Knopf je nach Sortiment gefärbt werden. Hierzu mußte das Spritzen mit Farbe und Lack, mittels Schablonen, bis zu fünfmal vorgenommen werden (Schablonierung), um dann darauffolgend durch Einfärben dem Knopf seine Grundfarbe zu verleihen. 

 

Der so behandelte Knopf mußte im nächsten Fertigungsschritt auf Grund der Feuchtigkeit beim Färbeprozeß mehrere Tage luftgetrocknet und im Anschluß nochmals 48 Stunden in einer Poliertrommel nachpoliert werden. Durch Aufpressen eines Dekors mit sogenannten Stahlguillochen erhielt man endlich den fertigen Knopf, welcher sortiert nach Farbtönen und Mustern, auf Karten aufgenäht in die Versandabteilung gelangte. Abschließend sei erwähnt, daß die Dekore der Knopfkollektionen durch freiberufliche oder angestellte Graveure entwickelt wurden, während die Färber die Firmenrezepte aus Konkurrenzgründen geheim hielten.

 

 

 

 

 

 

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Die Steinnuß-Palme

Der Name Steinnuß bezieht sich auf den Samen der Früchte der Steinnußpalme, Phytelephas microcarpa RUIZ& PAVON und Phytelephas macrocarpa RUIZ & PAVON.

 

Diese Palmenarten sind in den tropischen Gebieten Südamerikas (Kolumbien, Ekuador, Peru) heimisch und bilden dort an Flußufern der Ebenen und des Bergvorlandes reiche Bestände. Dabei  stehen die stammlosen Palmen so dicht, daß sich unter ihnen keine Bodenvegetation ausbilden kann. Heute wird die Tagua-Palme auch außerhalb ihrer angestammten Gebiete kultiviert, beispielsweise in Indien, Sri Lanka und Afrika. Als wichtigste Exportländer treten Kolumbien, Ekuador, Peru, Panama und Brasilien auf.

Einen weiteren Rohstoff der Steinnußknopfherstellung bildete die Frucht der afrikanischen Dum-Palme, die Dum-Palmnuß, auch nach ihrer Herkunft Sudan-Nuß oder ihrem Einfuhrnahmen Eritrea-Nuß, benannt. Die Dum-Palme kommt im östlichen Äquatorialgebiet, besonders Jemen, Eritrea, dem Nilgebiet, Äthiopien oder dem Sudan vor.

Schließlich fanden auch noch die Austral- oder Tahitinüsse, die aus Australien und von den Inselgruppen im Stillen Ozean eingeführt wurden, Verwendung.

 

 

 

 

 

Historische Aspekte

Die Entstehung und Entwicklung der Knopfindustrie in Schmölln erlangte in den letzten 120 Jahren prägenden Einfluß auf den Verlauf der Geschichte der Stadt Schmölln in Thüringen.

In den 50er Jahren des 19.Jahrhunderts erlebte Deutschland einen bis dahin nicht gekannten Aufschwung seiner wirtschaftlichen Entwicklung. Industrialisierung, zunehmende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen, der Einsatz der Dampfkraft als entscheidendes Antriebselement , der Ausbau des Eisenbahnnetzes, die Bildung von Aktiengesellschaften, der Abbau der Zollschranken, die Einführung der Gewerbefreiheit und Freizügigkeit der Landbevölkerung bewirkten eine grundlegende Veränderung der bisherigen Verhältnisse.

 Eingedenk dieser Entwicklung und einer Reihe weiterer günstiger infrastruktureller Bedingungen konnte sich auch die Stadt Schmölln zum Industriestandort profilieren. Bis dahin verkörperte die Stadt eine Art Ackerbürgerstädtchen, in dem sich die Bürgerschaft auf Grundbesitz, Ackerbau, Viehzucht und ein gut entwickeltes Handwerk stützte. Neben der Aufhebung des Dienstzwanges 1837, der Einführung der Gewerbefreiheit 1863 und der Freizügigkeit der Bevölkerung 1867 im Herzogtum Sachsen-Altenburg, scheint es wohl eben dieser Charakter der Stadt gewesen zu sein, welcher die Ansiedlung von Industriebetrieben ermöglichte. Neben dem Erwerb von günstigen Bauland und der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Gößnitz - Gera 1865 war auch der fortschreitende Niedergang der Weberei und die damit verbundene Freisetzung von Arbeitskräften eine der Grundlagen für den Beginn der Industrialisierung in Schmölln.

Unter diesen günstigen Voraussetzungen verlegte der Perlmutterdrechsler Hermann Donath seinen Betrieb nach Schmölln und meldete 1863 ein Gewerbe als Knopfmacher daselbst an.

Auf der Suche nach neuen Rohstoffen reiste ein Jahr später Valentin Donath im Auftrag seines Bruders nach Berlin, um dort Kenntnisse über die Verarbeitung von Steinnüssen zu  erwerben. Steinnüsse wurden in jener Zeit von Schiffen, die ohne Fracht von Amerika nach Deutschland zurückfuhren, als Ballast geladen, um dann im Hamburger Hafen billig verkauft zu werden. In Berlin beschäftigten sich verschiedene Holzdrechslereien mit diesem Rohstoff und nach der Rückkehr Valentin Donaths begann man dann 1867 mit der Steinnußknopfherstellung mittels Handdrehbänken in Schmölln.

Donaths Beispiel sorgte für eine Initialzündung und einen bis dahin nicht gekannten Aufschwung in der Stadt. Im Zeitraum von 1867 bis 1870 waren vier Gewerbeanmeldungen als Knopfmacher zu verzeichnen, 1871 bis 1880 entstanden sieben, zwischen 1881 und 1890 weitere 14 und bis um 1900 nochmals acht Knopffabriken.

Nach zwischenzeitlichen Höhen und Tiefen war 1913/14 der Höhepunkt dieser Entwicklung erreicht und Schmölln erlangte Weltruhm mit einem Produkt - dem Steinnußknopf.

Daneben produzierte man in Schmölln Knöpfe aus Horn, Holz, Leder, aus Vulkanfiber, Galalith oder Zelluloid und aus verschiedenen Kunststoffen.

In späterer Zeit konnte nie wieder an diese Hochzeit angeknüpft werden. Seit der Weltwirtschaftskrise verlor Schmölln immer mehr Marktanteile, begleitet von Firmenkonkursen und erheblicher Arbeitslosigkeit.

Nach 1945, als Schmölln seinen Namen als Knopfstadt längst eingebüßt hatte, verlagerte sich die Produktionsstruktur in andere Branchen, gleichwohl weiterhin Knöpfe, vor allem aus Polyester hergestellt wurden.

Heute existiert in Schmölln noch eine Knopffabrik, welche hauptsächlich Polyester-, aber auch wieder Steinnußknöpfe herstellt und ein Handwerksbetrieb für Hirschhornknöpfe. Damit sind Schmöllner Knöpfe auch weiterhin am Markt präsent.

 

© Museum Burg Posterstein  

 

 

weitere Informationen:  

Publikation ‘Schmöllner Knöpfe’

Museum Burg Posterstein, 1995

 

 

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