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Auswahl:
Rittergut Nöbdenitz

(c) Museum Burg Posterstein
In
Nöbdenitz steht ein alter Eichenbaum, von dem mal sagt, er sei
tausend Jahre alt.
Erst im
vergangenen Jahr versah die Gemeinde den Baum mit weiteren
Stützpfeilern, um den Ansprüchen der Straßen- und Verkehrsordnung
zu genügen. Die so genannte „tausendjährige Eiche“ ist innen hohl
– und beinhaltet die Grabstätte eines Ministers von Thümmel.
In
Nöbdenitz gab es ein Rittergut, das im 12. Jahrhundert erstmalig
erwähnt wurde. Die ehemals mittelalterliche Wasserburganlage wurde
später in ein Schloss umgebaut. Das Rittergut befand sich
zeitweise im Besitz des Ministers Hans Wilhelm von Thümmel
(1744-1824). Dieser reiste zwischen 1803 und 1808 auf mehreren
diplomatischen Missionen nach Dänemark, Berlin, Königsberg
(Kaliningrad), Dresden und Paris. Als Freund des Herzogs Ernst
(1745-1804) besaß er großen Einfluss bei Hofe. Verdient gemacht
hat er sich durch die Gründung der Kammerleihbank, die Förderung
des Straßenbaus, den Bau des Altenburger Krankenhauses und die
allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und
Altenburg.
Östlich des
Nöbdenitzer Schlosses besaß Thümmel einen Lustgarten. Von hier aus
wurde der Blick entlang eines geradlinigen Weges in die Ferne bis
zu einem Gartenhaus geführt. Ein Fußweg entlang des Nordufers des
großen Teichs lud zum Flanieren ein. Freunde der Familie von
Thümmel, wie die Herzogin von Kurland aus dem nahen Löbichau,
kamen gern nach Nöbdenitz, um auf dem Teich zu segeln und den
Blick auf das alte und das neue Schloss zu genießen.
Vor seinem
Tod bestimmte Hans Willhelm von Thümmel, dass er an einem
ungewöhnlichen Ort bestattet werden sollte – unter der Nöbdenitzer
Eiche. Er kaufte der örtlichen Pfarrgemeinde den Baum ab und ließ
sich in seinen Wurzeln eine Grabstätte errichten. Diese
untersuchte 1959 der Postersteiner Lehrer und Heimatforscher Ernst
Bräunlich. Er dokumentierte, dass es im Hohlraum des Baumes einen
kleinen Andachtsraum mit Sitzbank gab, um dem Toten zu gedenken.
Der Leichnam liegt in einem Sarg, parallel zur Straße. Heute kann
man die tausendjährige Eiche nur von außen besichtigen. Eine
Gedenktafel erzählt ihre Geschichte.
Im Zuge der Bodenreform
wurde das Rittergut Nöbdenitz 1945 enteignet und das neue Schloss
sowie große Teile des Wirtschaftshofes abgerissen. Ein Mausoleum
von 1782, das Thümmelsche Erbbegräbnis, wurde Ende der 1960er
Jahren entfernt. Das aus dem Jahr 1692 stammende Herrenhaus blieb
erhalten und ist heute Sitz der kommunalen Verwaltung.
Rittergut Prößdorf
Die Sphinx von Prößdorf

(c) Museum Burg Posterstein
Im 15. Jahrhundert wird
erstmals ein Rittersitz in Prößdorf urkundlich erwähnt. Die
Glanzzeit von Prößdorf begann 1818, als Carl Heinrich von
Tettenborn das Gut kaufte. Dieser soll ein großer Verehrer der
schönen Künste wie Architektur, Plastik und Malerei gewesen sein.
Seinem Geschmack entsprechend schmückte er neben den Gebäuden auch
den Park. Tettenborn ließ für die Ausgestaltung die ursprüngliche
Park-Anlage vergrößern und umwandeln. Nun durchzogen schattige
Laubengänge den Lust-Garten. Ein antiker Pavillon lud zum
Verweilen ein. Grotten, zahlreiche Statuen wie Löwen und eine
Sphinx sowie Springbrunnen zierten das Gelände. Exotische Gewächse
aller Art blühten in Rabatten und Kübeln.
Das aus der Mitte des
18.Jahrhunderts stammende Schloss Prößdorf wurde nach 1969 zum
Wohnhaus umgebaut. Die Wirtschaftsgebäude, im Wesentlichen aus dem
19. Jahrhundert stammend, wurden 1906/07 erweitert. Im Zuge der
Bodenreform enteignete man die Rittergutsbesitzer. In der Folge
verfielen die Wirtschaftsgebäude und wurden nach und nach
abgebrochen, zuletzt 1998. Durch den Einbau von Wohnungen im
Zeitraum von 1969 bis 1973 wurde das Schloss stark überformt.
Reste der eindrucksvollen Toranlage sind jedoch erhalten
geblieben.
Rittergut Romschütz

(c) Museum
Burg Posterstein
Johann
Friedrich I. Bachoff von Echt, seit 1700 Eigentümer des Ritterguts
Romschütz, ließ dort 1712 einen barocken Lustgarten anlegen.
Bewunderer beschreiben ihn als einen „Mann von seltener
Volltrefflichkeit des Geistes und des Herzens“. So führte bald
darauf eine Allee vom Schloss zum so genannten „Parnass“-Berg.
Gäste konnten so ihren Blick vom reich geschmückten Rokokosaal
aus, über den Garten mit Wasserbecken, bis zur Spitze des Berges
richten. Diese Erhöhung in Romschütz erhielt ihren Namen nach dem
zweithöchsten Berg Griechenlands. Der über 2000 Meter hohe Parnass
gilt in der griechischen Mythologie als Sitz des Gottes Apoll und
der Musen, ein Ort, an dem Natur, Kultur und Mythos
zusammenspielen. Auf der Anhöhe dieses Berges befand sich Mitte
des 18. Jahrhunderts ein Lusthäuschen im chinesischen Stil.
Das
Rittergut Romschütz, ehemals eine mittelalterliche
Wasserburganlage, wurde im 13. Jahrhundert erstmalig erwähnt. Das
Herrenhaus stammte aus dem Jahr 1712. Die ehemalige
Wasserburganlage steht seit 1960 unter Bodendenkmalschutz. 1972
brach man das Schloss ab und ebnete den (Waal)-Teich mit den
Schuttmassen ein. Die Wirtschaftsgebäude blieben erhalten.
Rittergut
Langenleuba-
Niederhain
Wo steht
ein „halbes Schloss“?

(c) Museum
Burg Posterstein
Das
Rittergut Langenleuba-Niederhain ist eine ehemalige
mittelalterliche Wasserburganlage, die zwischen 1707 und 1711 zu
einem Schloss umgebaut wurde. 1838 riss man einen Flügel des
Schlosses ab – daher kommt der Beiname „Halbes Schloss“. Noch 1805
war das halbe Schloss von Wasser umgeben und den davor gelegenen
Wirtschaftshof konnte man nur über eine Brücke erreichen. 1946
wurden die Besitzer im Zuge der Bodenreform enteignet. Auf den
Gutsflächen entstanden elf Neubauernstellen. Im Schloss selbst
fand u. a. Schulunterricht statt. Seit ca. 1980 verfällt das leer
stehende Schlossgebäude, während die Wirtschaftsgebäude,
einschließlich des ehemaligen Ritterguts-Gasthofes, erhalten
geblieben sind.
Rittergut Haselbach
Wer veranstaltete Festbankette
mitten im See?
Ab 1750
fanden auf dem Rittergut Haselbach Feste der besonderen Art statt:
Der damalige Besitzer des Gutes, Jakob Friedrich Freiherr von
Bielefeld (gestorben 1770), scheint ein lebensfroher und
kunstsinniger Mann gewesen zu sein, denn er hatte eine Vorliebe
für Festmahle auf dem Wasser. Dafür ließ er auf dem größeren der
Haselbacher Seen eine Barke fahren, worauf er mit etwa 30 Gästen
speisen konnte. Weitere kleinere Barken waren für Musikanten und
für Dienstpersonal zum Transport von Speisen und Getränke
bestimmt.
Das
ehemalige Herrenhaus („Haus mit Storchnest“) mit Vorwerk des
Rittergutes Haselbach stammte aus dem Jahr 1755 und wurde später
baulich verändert. Zum Rittergutsbesitz gehörten die „Haselbacher
Teiche“: Der Nobitzer Teich mit einer Insel, der Backhaus-Teich,
der Käsebank-Teich, der Dorotheenteich, der so genannte See mit
Insel und der Bienenteich, sowie der Streckteich, der Schirmteich,
der Frauenteich, der kleiner Schirmteich, der Scheibenteich, der
Seifenloch-Teich und der Neuteich. 1945 wurde das Gut im Zuge der
Bodenreform enteignet. In diesem Zusammenhang riss man das
Herrenhaus und die Wirtschaftsgebäude ab. Heute ist der ehemalige
Gutshof stark von den Nachfolgebauten geprägt.
Rittergut
Vollmershain
„mit Schreiber und Reiter“

(c) Museum
Burg Posterstein
Das
Rittergut Vollmershain, vermutlich eine ehemalige
Wasserburganlage, wurde im 12. Jahrhundert erstmalig erwähnt. Im
Jahr 1580, beispielsweise, befand sich das Anwesen in Besitz von
Otto von Weißbach. Neben dem Besitzer selbst „mit Schreiber und
Reiter“, lebten zu dieser Zeit sein Bruder Wolf von Weißenbach mit
„Praeceptor“ (Hauslehrer), seine Frau, fünf Kinder, drei Mägde und
zwei Knechte auf dem Hof. Die Besitzer von Vollmershain wechselten
später aber häufig. Lange Zeit befand sich das Anwesen in Besitz
der Rittergutsherren von Posterstein.
Nach
Bränden und Umbauten im 19. Jahrhundert ist das ehemalige
Rittergut Vollmershain heute als vierflüglige Hofanlage erhalten.
In der DDR nutzte die LPG (Landwirtschaftliche
Produktionsgenossenschaft) das Gut. Nach 1990 erwarb die
Altbesitzerfamilie den Hof zurück.
Rittergut Pölzig
Über den kontinuierlichen
Niedergang eines vornehmen Schlosses

(c)
Museum Burg Posterstein
Die im 12.
Jahrhundert erstmals erwähnte Wasserburganlage mit Kirche war um
1800 noch zu zwei Dritteln mit einem Wassergraben umschlossen.
Damals gab es einen vierflügeligen Wirtschaftshof und ein Schloss
von 1686/87. Das Schloss Pölzig war im Laufe der Jahrhunderte in
Besitz von Herzogen, Grafen und Prinzen: In der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts befand sich Pölzig beispielsweise im Besitz der
Brüder Prinz Ernst und Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha.
Letzterer war mit Königin Victoria von England verheiratet.
Langsames
Verschwinden
Nach
mehreren Bränden entstanden 1895 die Wirtschaftsgebäude und ein
Mausoleum mit halbrunder Altarnische neu. 1936 sprengte man den
Schlossturm und riss die Schlossmauern bis auf das noch heute
vorhandene Erdgeschoss ab. Nur drei Jahre später fiel auch das
Erbbegräbnis dem Abbruch zum Opfer. 1945 wurde das Gut im Zuge der
Bodenreform enteignet. In Folge dessen brach man das Herrenhaus,
die Wirtschaftsgebäude, die Gutsscheune und das Brauhaus im
Mittelpunkt des Hofes ab. Bis heute sind nur die Schlossruine, das
Torhaus, das Wasch- und Backhaus und die Wagenremise sowie Teile
des Pferdestalls, des Kuhstalls und des Schäfereihofes erhalten
geblieben.
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Rittergut Untschen
Wo lag
das Chinesische Badehaus?

(c) Museum
Burg Posterstein
Das
Rittergut Untschen befand sich im 18. Jahrhundert in Besitz des
Ministers Hans Wilhelm von Thümmel, der sich u. a. durch die
Gründung der Kammerleihbank, die Förderung des Straßenbaus und die
allgemeine Landvermessung im Herzogtum Sachsen-Gotha und Altenburg
Verdienste erworben hatte. Den Untschener Gasthof „Zum goldenen
Drachen“ ließ der Thümmel im Jahr 1798 einrichten, obwohl dies im
Widerspruch zum Schmöllner Recht der Bannmeile stand. Südlich der
Straße lag in einem mit Hopfenanpflanzungen versehenen Garten das
Brauhaus. Zum Rittergut gehörten mehrere Teiche. Schöngeist
Thümmel verfolgte in Untschen zudem ein Projekt zur
Scheitholzflößerei. In der Nähe des Floßteiches an der Mühle ließ
er im Jahr 1796 ein „Chinesisches Badehauß“, auch als „Untschner
Tempelbau“ bezeichnet, errichten.
Das im 12.
Jahrhundert erstmalig erwähnte Rittergut wurde 1945 im Zuge der
Bodenreform enteignet. In den Folgejahren fielen ein großes
Wirtschaftsgebäude an der Nordseite (1945) sowie die Brauerei und
die Ziegelei (1960er Jahre) dem Abriss zum Opfer. Das ehemalige
Verwaltergebäude war noch in den 1980er ein Gasthof, ein
ehemaliger Pferdestall beherbergt heute einen Laden.
Rittergut Nobitz
Die vierflügelige, ehemals
mittelalterliche Wasserburganlage wurde im 12. Jahrhundert
erstmals erwähnt. Durch die Bodenreform 1945 wurden die Besitzer
enteignet und das Gut aufgeteilt. Noch 1946 erfolgten Zerstörungen
durch die Rote Armee. 1948 begann man mit dem Abbruch der
Wirtschaftsgebäude und des neuen Herrenhauses, weshalb heute nur
noch wenige Reste davon erhalten sind. Vorhanden ist
beispielsweise noch der Waal-Teich mit Insel und das alte
Herrenhaus aus dem Jahr 1842, heute Verwaltungssitz der Gemeinde
Nobitz.
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Aus der Geschichte
Die
Rittergüter stellten häufig Zentren des geistigen Lebens dar, verfügten über
umfängliche Bibliotheken und Naturaliensammlungen. So wirkten Rittergutsbesitzer
Dank ihrer Position am Hof oder als Militär sowie an vergleichbarer führender
Stelle in der adligen Gesellschaft, oft als Mäzen und Förderer von Kunst, Kultur
und Wohlfahrt. Einzelne Persönlichkeiten, wie Wolf Conrad von Thumbshirn
(1604-1667), Veit Ludwig von Seckendorff (1626-1692), Jacob Heinrich von
Flemming (1667-1728), Anna Dorothea von Kurland (1761-1821), Bernhard August von
Lindenau
(1779-1854) oder Hans Conon von
der Gabelentz (1807-1874) erlangten Bedeutung weit über die Region hinaus.
Die
Rittergutsbauten, ursprünglich mit militärischer Schutzfunktion als Wasserburgen
oder Motten entstanden, dann später als repräsentative Herrenhäuser und
Schlösser erneuert, verkörpern bedeutende Bau- und Kunstdenkmale ihrer Zeit.

temporary
exhibition
We still
can se the old castle...
Manor houses
in the county of Altenburg
The
catalogue of the
Museum Burg Posterstein's
new special exhibition deals with the history of about 40 former manor houses in
the county of Altenburg (Thuringia).
The
catalogue can be bought in the Museum Burg Posterstein.
e-mail:
info@burg-posterstein.de.
In years of
research in the local archives the author Gustav Wolf collected detailed
information on the single manor houses' history. The results will be presented
in a special exhibition from august 29th 2010 to january 31st 2011 in the
Museum Burg Posterstein.
Part of the
exhibition is a film and an
interactive map.
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