Die meisten Veröffentlichungen über die Herzogin von Kurland stützten
sich bislang vorwiegend auf die stark subjektiv gefärbte Biografie
Christoph August Tiedges und auf die Erinnerungen der Tochter Dorothée
in deren „Souvenirs“. Weitgehend unbeachtet blieben hingegen die
Tagebücher und Briefe Anna Dorotheas, welche ihre Erben, die Familie
von Tümpling, der Universitätsbibliothek Jena übergaben. Diese Quellen
beginnen mit einem sehr lückenhaften brieflichen Nachlass im Jahr 1787
und setzen sich fort mit einem umfangreichen Tagebuchbestand von 1802
bis 1821. Die Neunzehn Bände dokumentieren Zeitgeschichte, erzählen
von Politik, von Personen, von Tagesabläufen, von wichtigen und
unwichtigen Dingen, von der Geburt der Enkel und vom Tod von Freunden,
berichten über ganz Persönliches oder über hoch Offizielles aus dem
Leben dieser Frau.
Die in mehreren Etappen vorgenommene Sichtung der
Tagebücher war vor allem ausgerichtet auf die Löbichauer Ereignisse.
Es offenbarten sich
deutliche Schwerpunkte für die Jahre 1806, 1809 und 1813-15. Besonders
das Jahr 1809 stellt einen Fixpunkt im Leben der Herzogin dar, denn es
beginnt ihr lang ersehnter Lebensabschnitt in Frankreich, der bis zu
ihrem Tod reichen sollte. Das Leben in Paris, die Begegnungen am Hofe
Napoleons und ihre Liaison mit Charles Maurice de Talleyrand bildeten
jetzt den neuen Lebensmittelpunkt Anna Dorotheas.
Die letzte
Eintragung in ihr Tagebuch notierte die Herzogin von Kurland mit
schwacher Hand am 15. August 1821. Am 20. August 1821 starb Anna
Dorothea in Löbichau und wurde unter Anteilnahme von 7000 Trauergästen
im „Herzoglichen Begräbniß im Hain“ beigesetzt.
Die Zeit des
Musenhofes war vorbei.
Ihre Tochter Johanna erbte Löbichau und als sie 1876
starb, erhielt ihre Nichte Fanny von Boyen (Franziska von Biron,
1815-1888) den gesamten Besitz. 1888 erbte deren Tochter Luise
(1852-1911), seit 1878 verheiratet mit dem „Legationssekretär und
Premier-Leutnant“ Wolf von Tümpling. 1907 löste die Familie Löbichau
auf und versteigerte ein Großteil des Inventars. Man überführte das
Hausarchiv in den Tümplingschen Besitz nach Thalstein bei Jena, wo
Wolf von Tümpling die Bestände redigierte. Erst 1957 ging die Sammlung
schließlich an die Universität Jena und wird in der Thüringer
Universitäts- und Landesbibliothek verwahrt.

Einen Überblick
über diesen Bestand bietet ein 2004 im Museum Burg Posterstein
erschienenes Buch:
„Zwischen Metternich und Talleyrand -
Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau.
Sabine und
Klaus Hofmann
Museum Burg Posterstein, 2004
ISBN 3-86104-066-2
104 Seiten, s/w mit zahlreichen Abbildungen
Preis:
12.50 Euro
© 2007 Hofmann