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Museum Burg Posterstein
Rudolf
Ditzen alias
Hans Fallada
(1893-1947)
Kindheit
und Jugend
Am
21. Juli 1893 wird Rudolf Ditzen in Greifswald geboren; als drittes Kind
des Landrichters Wilhelm Ditzen und dessen Ehefrau Elisabeth wächst er
in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf. Allerdings leidet er unter dem
gespannten Verhältnis zum autoritären Vater, dessen Anerkennung ihm
versagt bleibt.
Der Vater übernimmt 1899 ein neues Amt in Berlin, die Familie zieht in
die Reichshauptstadt um. Ein erneuter Amtswechsel des Vaters im Jahre 1909
hat die Übersiedlung der Familie nach Leipzig zur Folge.
Von
1901 bis 1911 verbringt er seine Schulzeit an verschiedenen Gymnasien in
Berlin, Leipzig und Rudolstadt. In der Schule gilt er als Außenseiter und
zieht sich immer mehr in sich zurück.
Erstmals
ganz auf sich allein gestellt, kommt Rudolf Ditzen achtzehnjährig nach
Rudolstadt, wo er als Obersekundaner
das Fürstliche Gymnasium besucht. Bei einem Superintendenten wohnt
er in Pension.
Pubertäre Probleme verstärken
seine Tendenz zur Introversion und Depression, die zu eskalieren droht.
Mit seinem Freund, Hanns Dietrich von Necker, beschließt er, in einem
Scheinduell
Doppelselbstmord zu verüben. Der Freund stirbt dabei, was Ditzen
nie
verwinden kann. Rudolf, schwer verletzt, wird wegen Mordes verhaftet und
zunächst in die Psychiatrische Klinik der Universität Jena eingewiesen.
Die Mordanklage wird durch eindeutige
Hinweise auf Selbstmordabsichten mit der Zuerkennung des
§ 51 (Unzurechnungsfähigkeit) fallen gelassen.
Tannenfeld
1912-1913
In
Tannenfeld hatte die Herzogin von Kurland um 1800 ein kleines Schloss
bauen lassen, das zum bekannten Musenhof Löbichau gehörte. Nach dem Tod
der Herzogin, 1821, war es ungenutzt geblieben und mit der Zeit verfallen.
Der
Nervenarzt Dr. Tecklenburg erwarb 1899 dieses Anwesen. Das Schloss wurde
saniert und umgebaut, das Gelände um weitere Gebäude erweitert und der
großzügige Park rekultiviert. Es entstand ein modernes Sanatorium für
Nervenkranke.
Im
Januar 1912 wurde Rudolf Ditzen in die „Heilanstalt für Nerven- und Gemütskranke“
Tannenfeld eingewiesen, zunächst in die geschlossene Abteilung des von Dr. Tecklenburg geleiteten Privatsanatoriums.
Hier betreute ihn seine Tante
Adelaide („Ada“) und unterrichtete ihn in Sprachen; er arbeitete
an
Übersetzungen, schrieb Gedichte und beschloss Schriftsteller zu werden.
Der Landwirt Rudolf Ditzen
Posterstein 1913-1915
Auf
Empfehlung des Arztes schickt der Vater den gesundeten aber
weltabgewandten Sohn zur Ausbildung in das nahegelegene Posterstein; mit
dem praktischen Beruf eines Landwirts soll dieser das praktische Leben
erlernen.
Am 1.August 1913 tritt Rudolf Ditzen als einer von drei Eleven in das
Rittergut Posterstein ein, wo er sich bis 1915 zum Landwirt ausbilden lässt.
Er bewährt sich, führt bei Abwesenheit des Gutsherrn, Walter Herrmann,
sogar zeitweise die Geschäftsbücher und erhält ein erfolgreiches
Lehrzeugnis. Rudolf Ditzen kann sich ein umfangreiches Wissen in der Kartoffelzüchtung
aneignen und macht sich nach seiner Ausbildung
bald als Kartoffelexperte
mit ausgezeichneten Kenntnissen einen Namen.
Von 1915 - 1918
arbeitet er auf verschiedenen Gütern - als wissenschaftlicher
Assistent, Kassenverwalter und Kartoffelspezialist.
Wiederholt leidet er jedoch unter Depressionen, denen er zeitweise mit
Drogen zu entfliehen sucht. Nachdem er sich bereits 1917 einer
Drogenentziehungskur unterzogen hatte, begibt er sich zwei Jahre später
nochmals in das Tannenfelder Sanatorium.
Hans
Fallada, der Schriftsteller
Mit seinem ersten Roman „Der
junge Goedeschal“, der 1920 unter dem Pseudonym Hans Fallada erscheint,
schlägt Rudolf Ditzen endgültig seinen Weg als Schriftsteller ein. Zunächst
parallel zum beruflichen Broterwerb, kann er ab 1930 freiberuflich
arbeiten.
Bereits
mit seinem zweiten Roman „Anton und Gerda“ (1923) wird Fallada zum
Geheimtip in Kennerkreisen, mit „Bauern Bonzen und Bomben“ (1931) in
Deutschland bekannt, „Kleiner Mann was nun“ (1932) wird zum
Welterfolg.
Zunehmend
gerät er jedoch in die Drogenabhängigkeit und damit in die Lage, sich
auch auf illegalem Wege das dafür notwendige Geld beschaffen zu müssen,
was nicht unentdeckt bleibt und entsprechend mit Gefängnisstrafen
geahndet wird. Fallada verarbeitet seine Gefängniszeit in dem Roman
„Wer einmal aus dem Blechnapf frißt“ (1934).
Mit
dem Kauf eines alten Gutshauses in Carwitz/Mecklenburg zieht sich Fallada
und seine junge Familie in die lang ersehnte Idylle zurück, die er so
dringend zum Schreiben braucht. Er schreibt leidenschaftlich, oft bis zur
Erschöpfung, die er zeitweise mit Alkohol und Drogen zu überwinden
sucht, bis er sich mit Entziehungskuren in verschiedene Kliniken rettet -
im wiederkehrenden Kreislauf. Gezeichnet von diesem Leben, das seit jeher
von Höhen und Tiefen begleitet war, stirbt Hans Fallada 1947 in
Berlin.
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