Jean Paul (1763-1825) |

Jean Paul (1763-1825)

Den Sommer 1819 verbrachte der bekannte Dichter Jean Paul in Löbichau als Gast der Herzogin von Kurland.

Den Sommer 1819 verbrachte der bekannte Dichter Jean Paul in Löbichau als Gast der Herzogin von Kurland.

Der Schriftsteller Johann Paul Friedrich Richter wird 1763 als Sohn eines Pfarrers und Lehrers in Wunsiedel geboren. Er besucht das Gymnasium in Hof. Später folgen Anstellungen als Hauslehrer und Erzieher. 1804 lässt er sich in Bayreuth nieder. Reisen führen ihn auch nach Weimar, wo er der Herzogin Anna Amalia, Goethe, Wieland, Herder und Schiller begegnet. 1825 stirbt er in Bayreuth und hinterlässt ein umfangreiches literarisches Werk.

Am 3. Mai 1819 besucht die Herzogin von Kurland den Schriftsteller Jean Paul in Bayreuth: „… Ich langte gestern gegen 3 Uhr in Baireuth an und schickte zu den Legationsrath Richter oder Jean Paul – […] und dan gab ich diesem ausgezeichneten Schriftsteller ein paar Stunden. Sein Äußeres hat nichts Aesthetisches – groß, stark und roth im Gesichte, Obzwar er sich der Brille bedient, so sind seine Augen verständig und Lebendig. Er scheint mir gemüthlich, seine Sprache ist schön, man möchte ihn hundert zungen goennen um alle seine Gedanken die sich drängen und viel Seitig sind auszudrücken. – es ist so viel Lebendigkeit in seinem Geistigen Wesen er spricht wie er schreibt, man hat dabey den Gewinn daß er zugleich die belege zu seine ansichten giebt und ihn gleich faßt und verstehet, in seinen Schriften muß man manche Stelle wiederholt Lesen um ihn fassen zu können. Er schien sich bey mir zu gefallen, und versprach mich diesen Sommer in Loebichau zu besuchen …“

Jean Paul folgt der Einladung gern und weilt im Sommer 1819 als Gast der Herzogin von Kurland in Löbichau. Am 31. August fährt man ihm bis Gera entgegen. Der Schriftsteller erscheint mit seinem Pudel und wird von der Dienerschaft „Schankpol“ genannt, weil er den Tee als dünnes fremdländisches Getränk verschmäht und das Geraer Doppelbier bevorzugt. Er wohnt im Schloss. Der Archäologe Anselm von Feuerbach (1798-1851), Sohn des berühmten Strafrechtlers Präsident Paul Johann Anselm von Feuerbach, schreibt dazu in sein Tagebuch: „Ich wohne mit Jean Paul Thür an Thür. Er ist gütig gegen mich, und ich armer Melancholicus gebe ihm Stoff zu tausend Witzen. Er schreibt Aphorismen, um sie des Morgens den Fürstinnen vorzulesen.“

Und Jean Paul liest gern vor, hauptsächlich seine eigenen Dichtungen und lobt dabei „die selige Herrschaft der Sprechfreiheit“: „… Schöne Leserin, Sie konnten, wenn Sie in Löbichau an der Tafel saßen oder nachher auf dem Kanapee, welche Meinung Sie wollten, ergreifen oder angreifen – gegen oder für Magnetiseurs – gegen oder für Juden – gegen oder für die Ultras und Liberale; – ja Sie konnten besonders im letzten politischen Falle, wie Sie da wohl als Dame zuweilen tun, Ihre schöne Stimme geben als eine lauteste: niemand wird etwas dagegen sagen – als höchstens seine Gründe …“

Emilie von Binzer erinnert sich an die Lesungen mit Jean Paul in Tannenfeld:

„Diese Morgenvorlesungen fanden in Tannenfeld statt, halb im Freien. Er saß auf dem Vorhause mit offener Thüre nach der Freitreppe, wo mehrere von uns in guter Hörweite saßen; am erinnerlichsten ist mir ein schöner Aufsatz, ich glaube er hieß: Erinnerungen von schönen Stunden …“

Eigens für Jean Paul arrangiert man in Löbichau am 9. September ein Inselfest:

„… Um 9 Uhr abends nach dem Essen lud die Herzogin Dorothea zu einem Spaziergange durch die Baumgänge auf eine kleine Insel, wo man mittags vorher gefrühstückt, so gleichgültig ein, als wolle sie nichts verheißen. Als man in den hohen und langen Baumgang eintrat, war er von den untersten Zweigen bis zu den Gipfeln überglänzt, und alles Laub war wie von Frühling oder Abendröte durchsichtig. Lampen unter den Bäumen, von kleinen Vertiefungen verdeckt, waren Lichtspringbrunnen und durchsprengten mit einigem aufwärts steigenden Glanz das dunkle Gezweig. Aus dem Grün schienen verklärte Bäume aufzuschweben, und die Blätter als feurige Zungen zu zittern. Durch die Feuersäulen-Ordnung kam der Zug in das kleine runde Eiland, wo man, von erleuchteten Bäumen wie von Glanzriesen umzingelt, oben nur einen schwarzen Ausschnitt des Nachthimmels mit blitzenden Sternen erblickte. Musik und Gesang gaben dem stillen Glanze und der Zauberinsel gleichsam Bewegung, und die Lichter wurden zu Tönen…“

Die verbliebenen Tage verbringt man in geselliger Unterhaltung bei Vorlesungen von Tiedge und Jean Paul. Letzterer reist am 17. September aus Löbichau ab.

Weitere Informationen:

Blog-Artikel “Jean Pauls Sommer in Löbichau”

Jean Paul 2013 – Verein feiert Jean Pauls 250. Geburtstag mit Veranstaltungen in ganz Deutschland; seit März 2013 steht nun auch eine Litfasssäule mit Informationen zu Jean Paul vor dem Museum Burg Posterstein