Europäische Salongeschichte |

Ausstellung zur europäische Salongeschichte

Tauchen Sie ein in die bewegte Zeit nach der französischen Revolution, in der Napoleon die Welt veränderte und der Wiener Kongress für Jahrzehnte Frieden stiftete. Kommen Sie mit auf eine Reise in die Salons des 19. Jahrhunderts – im Altenburger Land im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, unweit von Weimar und Leipzig.

Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821)

Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761-1821), Gemälde von Angelika Kauffmann (Museum Burg Posterstein)

Hier führte die kluge und schöne Herzogin von Kurland ihren bekannten Salon auf ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld. Hier stiftete der Staatsmann Bernhard August von Lindenau sein bedeutendes Kunstmuseum mit öffentlicher Kunstschule. Hier entstand in den bürgerlichen Altenburger Salons das beliebte Skatspiel. Hier gründete Friedrich Arnold Brockhaus seinen bekannten Verlag. Und hier ließ sich der Minister Hans Wilhelm von Thümmel unter einer 1000-jährigen Eiche begraben.

Die Ausstellung zur europäischen Salongeschichte im Museum Burg Posterstein

Im Mittelpunkt der Ausstellung zur europäischen Salongeschichte steht die beeindruckende Geschichte einer klugen Frau.

Zwischen 1795 und 1821 gab es auf Schloss Löbichau bei Posterstein einen lebendigen Musenhof, der bildende Künstler, Schriftsteller und Politiker, Adlige wie Bürgerliche, aus ganz Europa anzog. Die Gastgeberin, die kluge und schöne Herzogin Anna Dorothea von Kurland (1761–1821), zählte zu den reichsten Frauen Europas. Sie verstand es geschickt, ein soziales Netzwerk zu knüpfen, das sich über den ganzen europäischen Kontinent zog. Ihre Briefe gingen in ihre Heimat Kurland im heutigen Lettland, nach Russland, Polen und Frankreich, nach Italien und Dänemark, nach Wien und nach Karlsbad. Per Kutsche reiste sie zwischen Berlin, Karlsbad, Schlesien, Paris, Wien und Löbichau hin und her.

In den Sommermonaten versammelte sie ihre Gäste in ihren Schlössern Löbichau und Tannenfeld im heutigen Altenburger Land. In den Salons dieser Zeit wurden bei Musik, Theater und Tee Kontakte geknüpft und politische Entscheidungen auf den Weg gebracht.

Zum Weiterlesen: Forschungsschwerpunkt Musenhof Löbichau

Hans Wilhelm von Thümmel, nach einem Stich von Joseph Grassi, Museum Burg Posterstein

Hans Wilhelm von Thümmel, nach einem Stich von Joseph Grassi, Museum Burg Posterstein

Der Minister unter der 1000-jährigen Eiche

Im Mittelpunkt dieses 2018 eröffneten Teils der Ausstellung steht Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824), der im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg vom Pagen zum Geheimen Rat und Minister aufstieg. Er vertrat den Herzog als Gesandter am Hof Napoleons und leistete Großes für den Altenburger Landesteil. Herzstück der Ausstellung ist ein völlig neues, dreidimensionales Portrait Thümmels.

Neue Exponate und Texte bringen das Leben und Wirken des Sachsen-Gotha-Altenburgischen Ministers Hans Wilhelm von Thümmel mit europäischer Salongeschichte und dem Musenhof der Herzogin von Kurland in Verbindung. Thümmel zählte zu den Stammgästen im Löbichauer Salon der Herzogin von Kurland, die auf Gegenbesuche zur Altenburger „Theegesellschaft“ im Hause Thümmel kam oder mit ihren Salongästen auf Thümmels Landgut Nöbdenitz spazieren ging.

In der aufgewühlten Zeit der Herrschaft Napoleons vertrat Thümmel 1807 die Interessen Herzog Augusts von Sachsen-Gotha-Altenburg in Berlin und Paris. 1808 nahm er am Erfurter Fürstentag teil und hielt sich in Löbichau auf, als der russische Zar Alexander I. dort die Botschaft überbrachte, die jüngste Tochter der Herzogin von Kurland möge den Neffen des französischen Staatsmanns Talleyrand heiraten.

Die aus dem Portrait neu geschaffene Thümmel-Büste von Susanne Jacob-Lehmann im Museum Burg Posterstein.

Die aus dem Portrait neu geschaffene Thümmel-Büste von Susanne Jacob-Lehmann im Museum Burg Posterstein.

Für den Altenburger Landesteil erreichte Thümmel beispielsweise bessere Straßen und fortschrittliche Landkarten sowie den Bau eines hochmodernen Krankenhauses. Der Gartenliebhaber gestaltete nicht nur den Altenburger Schlosspark um, sondern besaß in Altenburg selbst einen englischen Garten, der den herzoglichen Park noch übertraf. Auch in Gotha, Ronneburg, Nöbdenitz, Untschen und Nobitz finden sich Spuren seines Wirkens. Seinen Lebensabend verbrachte Thümmel auf seinem Gut Nöbdenitz, von wo aus der Weg nach Löbichau und Tannenfeld nicht weit war. Er kaufte eine mächtige hohle Eiche – die 1000-jährige Eiche von Nöbdenitz – in der er nicht nur Gäste bewirten ließ und gewitzte Aphorismen verfasste, sondern in deren Wurzeln er sich schließlich auch beerdigen ließ.

Nach 200 Jahren ein völlig neues Thümmel-Portrait: Bildhauerin Susanne Jacob-Lehmann stellt zur Ausstellungseröffnung ihre Büste vor

Für die Ausstellung durfte das Museum mit Erlaubnis der Altenburger Freimaurerloge eine Kopie von deren Büste des Gothaer Herzogs Ernst II., dem Thümmel zeitlebens eng verbunden war, anfertigen lassen. Darüber hinaus konnte die Bildhauerin Susanne Jacob-Lehmann aus Meißen gewonnen werden, eine völlig neue Büste von Hans Wilhelm von Thümmel zu gestalten. Als Vorlage dienten ihr ein Gemälde und ein Kupferstich nach diesem Gemälde. Das Resultat ist ein einmaliges dreidimensionales Portrait Hans Wilhelm von Thümmels – so wie er einmal ausgesehen haben könnte.

Einen Einblick in die Ausstellung gibt der Video-Bericht von der Ausstellungseröffnung von TV-Journalist Gunter Auer: