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Die Geschichte der Burg Posterstein

Kaiser Barbarossas Ritter

Das heutige Altenburger Land war seit dem frühen Mittelalter slawisch besiedelt. Auf waldfreien Flächen betrieben sorbische Stämme Ackerbau und Viehzucht. Mitte des 12. Jahrhunderts weiteten die schwäbisch-stämmigen Staufer ihren Einflussbereich auch auf diese Gebiete aus. Kaiser Friedrich I. Barbarossa sicherte die gewonnene Macht, indem er seine vorher unfreien Dienstmannen, die Reichsministerialen, zu Rittern erhob und ihnen Aufgaben übertrug. Sie sollten die Neubesiedlung leiten, vorhandene slawische Einflüsse zurückdrängen, deutsches Recht durchsetzen, Abgaben eintreiben und das Land vor Feinden schützen. Im Pleißenland entstand auf diese Weise im 12. und 13. Jahrhundert ein Netz kleiner Befestigungen. Die Rodung großer Landstriche, die Anlage von Dörfern und der Bau von Burgen zur Sicherung der neuen Ländereien prägten fortan die Entwicklung. Die Burg Posterstein ist eine der in dieser Zeit entstandenen Burgen.

Die Ersterwähnung der Burg Posterstein

Einer der Reichsministerialen Barbarossas hieß Gerhardus de Nubodicz. Sein Name fiel 1142 in der Zeugenreihe einer Altenburger Urkunde. In einem Dokument von 1172 wurde wieder ein Gerhardus, zusätzlich mit der Ortsangabe Nöbdenitz, genannt. 1191 tauchte auch in einer Naumburger Urkunde der Name Gerhard von Nöbdenitz auf, diesmal zusammen mit seiner Mutter „Mechthilde de Steinne“. Dabei handelt es sich um die erste urkundliche Erwähnung (Poster)steins und die letzte derartige Nennung der Nöbdenitzer Ministerialen. Der gleichnamige Siedelhof in Nöbdenitz – eine von Wasser umgebene, flache Anlage – gehörte bis 1575 zum Postersteiner Besitz. Ein nur zwei Kilometer davon entfernter Bergsporn über dem Flüsschen Sprotte hatte sich offenbar als die strategisch günstigere Befestigungsmöglichkeit erwiesen.

Die Besitzer des Postersteins
1191: Gerhardus de Nubudiz (von Nöbdenitz), seine Mutter Mechthilde de Steinne und deren Nachfahren
Bis um 1306: Die Ritter Gerhard der Mittlere, Gerhard genannt von Löwenberg, Gerhard der Jüngere, Conrad Heidenreich, Eberherd von Stein (de Lapide)
Vor 1442: Familie Stöntztcz (Stöncz)
1442-1505: Gebrüder Puster
1505-1528: Nickel von Ende
1528-1718: Familie von Pflugk
1718-1721: Gebrüder von dem Werder
1721-1833: Reichsgrafen Flemming
1833-1945 (1946): Familie Herrmann
Seit 1952: Museum Burg Posterstein

Posterstein zwischen Reußen und Wettinern

Im 14. Jahrhundert entstand das Amt Altenburg zur Sicherung des Landesausbaus der wettinischen Markgrafen zu Meißen. Es verwaltete das Land, kontrollierte den Adel, setzte Gesetze durch und übte die Gerichtsbarkeit aus. Neben Schmölln, Ronneburg und Werdau wurde Posterstein allerdings Reichslehn der reußischen Vögte. Bei der Spaltung des Hauses Plauen in Reuß ältere Linie (Plauen) und Reuß jüngere Linie (Greiz) im Jahr 1305 verblieb Posterstein unter der Herrschaft der jüngeren Linie und war den Reußen noch bis ins 18. Jahrhundert lehnspflichtig. Als Schutz gegen den Zugriff der Wettiner gaben die Reußen Posterstein dem König von Böhmen als Lehen.
In der Folge begann eine andauernde Auseinandersetzung zwischen den beiden Adelshäusern. Der Jahrhunderte andauernde Streit soll um 1600 sogar mit Waffengewalt ausgetragen worden sein. Er wurde erst durch die nachlassende Bedeutung des Lehnswesens im 18. Jahrhundert beigelegt.

Der „Postern zum Steine“ im Militärdienst

1442 verkauften Heinrich, Nickel und Ulrich Stöncz und deren Mutter llze Posterstein mit allem Zubehör an Johann Hans, Burgold, Dietrich und Nickel Puster für 800 Schock guter Freiberger Münze. Herzog Ernst, Kurfürst von Sachsen bestellte 1474 alle Fürsten nach Würzburg, um das Heilige Römische Reich gegen Burgund zu schützen. Er forderte auch Jan Puster auf, militärischen Dienst zu leisten. Puster sollte sich am Freitag nach Martini (12. November) mit drei Pferden, davon eines beritten, alle in der fürstlichen Farbe Rot gekleidet, zum Zuge der Pferde mit Harnischen begeben. Dazu sollte er noch einen vorn halb verdeckten starken Rüstwagen mit vier starken Pferden, Brot, Pelzen und anderen zum Streite gehörenden Dingen dabei haben und bei Leipzig „auf der Kuhweide“ erscheinen. Den Adressaten bezeichnete er entsprechend dem Sprachgebrauch als den ,,Postern zum Steine“ – ein Hinweis darauf, wie der im 16. Jahrhundert gebräuchlich gewordene Ortsname Posterstein zustande gekommen ist.

Ein Bischof wird Mitbesitzer von Posterstein

Seit dem 16. Jahrhundert finden sich Vertreter des meißnischen Adelsgeschlechts der Pflugke in den genealogischen Einträgen zahlreicher Rittergüter der Region. 1528 verkaufte Nickel von Ende (Poster)stein an seine Vettern Julius, Haubold, Tham, Andreas und Christoph von Pflugk auf Eythra (Eithra). Während der älteste Bruder Julius (1499-1564) als Dompropst in Zeitz und späterer Bischof in Naumburg in kirchlichen Diensten stand, gelang es dem Hauptbelehnten, Haubold Pflugk (1502-1563), den Postersteiner Besitz entscheidend zu festigen. 1575 ging Posterstein an Tham Pflugk (†1596) aus der Strehlaer Familienlinie über und reduzierte sich um Nöbdenitz und die Zinsen und Fronen in Baldenhain, Vollmershain und Zschernitzsch. Tham verlor den Logensitz in der Nöbdenitzer Kirche. Dies zwang ihn nach zum Teil handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Nöbdenitzern um die Demontage des angestammten Kirchenstuhles wenig später dazu, in Posterstein eine eigene Kirche bauen zu lassen.

Die bedeutendsten Postersteiner Burgherren

Dem sächsischen Kammerrat Georg von Pflugk d. Ä. (1569-1621) gelang es zwischen 1600 und 1621 das durch den Lehnstreit mit den Reußen geschwächte Gut zu stabilisieren. Als Georg Dietrich von Pflugk (1609-1656) den Besitz 1666 übernahm, musste er in Folge des 30jährigen Krieges Zins- und Fronregister neu aufstellen, Visitationen durchführen und Dorf- und Gerichtsordnungen erneuern. Er nutzte seine Stellung in Gotha und Altenburg, um Privilegien wie Geleitstraßenrecht, Bergbaurechte und Marktrecht zu erwerben. Er führte umfangreiche Baumaßnahmen an Schloss und Wirtschaftsgebäuden aus und ließ die Kirche mit dem kunstvollen Holzschnitzwerk ausstatten. 1718 verkaufte Georg Carl von Pflugk (1678-1748) den Besitz an Heinrich Gottlieb und Gebhard Paris von Werder. In Posterstein hinterließen die Pflugks nach fast 200 Jahren nicht nur ihr Wappen am Schnitzwerk in der Kirche. Vielmehr hatte sich am Fuß der Burg eine kleine Stadt mit Handwerkern und Marktrecht entwickelt. Weitere Informationen zur Familie Pflugk.

Ein versteckter Fluchtweg?

Eine durch einen Schrank verdeckte Treppe im Gerichtsraum diente früher als ein Aufgang ins Obergeschoss. Die „Geheimtreppe“ führte in die Küche, auf den Hof und in den „unteren Saal“; und von dort weiter in einen Kellerbereich. Früher diente diesen Gang möglicherweise als Fluchtweg. Mehr dazu im Blog.

Der Vertraute von August dem Starken

1724 kaufte der kursächsische Generalfeldmarschall und Reichsgraf Jakob Heinrich von Flemming (1667-1728) den Besitz. Als einer der engsten Vertrauten August des Starken stand er in höchsten sächsischen Staatsdiensten. Während seiner Gesandtschaft in Warschau hatte er 1697 wesentlich zur Wahl des Kurfürsten zum polnischen König beigetragen. Obwohl die Flemmings in Posterstein nur wenig Zeit verbrachten, tätigten sie doch erhebliche Investitionen. Den hiesigen Familienbesitz führten sie bis 1833 weiter.

Hans Fallada als „Eleve“ auf dem Rittergut

1833 kaufte Salomon Friedrich Herrmann (1797-1858) das Gut. Walter Herrmann (1871-1927), Landschaftsrat und Taxator von Landwirtschaftsbetrieben, baute den Besitz zu einem in Thüringen einzigartigen Saatzucht- und Mustergut aus. Zu seiner Zeit lernte der später als Schriftsteller Hans Fallada bekannt gewordene Rudolf Ditzen (1893-1947) auf dem Rittergut. Weitere Informationen zu Fallada in Posterstein.

Das Ende der Grundherrschaft

Während der beiden Weltkriege wurde Posterstein nicht zerstört. Dennoch endete der Zweite Weltkrieg mit der bislang schwerwiegendsten Veränderung: Die Grundherrschaft Posterstein hörte auf zu bestehen. Mit der Durchsetzung der Bodenreform in Thüringen wurde am Anfang des Jahres 1946 das 192 Hektar große Rittergut enteignet, die Grundfläche aufgeteilt und Teile der Wirtschaftsgebäude abgerissen. Der letzte Rittergutsbesitzer Kurt Herrmann (1905-1986) siedelte nach der Ausweisung zwangsweise nach Westdeutschland um. Das Familienbegräbnis befindet sich noch heute unzerstört an der Ostseite der Burgkirche.

Die Zeit danach

In Burg und Herrenhaus quartierte man nach Kriegsende zunächst Flüchtlinge ein, die ihr Hab und Gut im Osten verloren hatten. Später wurde im Herrenhaus ein Kinderheim (1956-1992) und in der Burg ein Museum eingerichtet.

Gründung des Museums Burg Posterstein

Das kulturhistorische Museum des Landkreises wurde im Jahr 1952 gegründet. In der Folgezeit sicherte man mühsam die Bausubstanz der Burg, ohne jedoch eine konstruktive Beseitigung der Bauschäden vorzunehmen. Nach und nach eröffneten alle Räume im Obergeschoss mit Ausstellungen zu regionalen Themen – den größten Teil nahm dabei die Geschichte der Schmöllner Knopfindustrie ein.

Unzureichende Baupflege, Wassereinbrüche durch undichte Dächer, sowie der 1953 erfolgte Abriss des Nordflügels hinterließen im Laufe der folgenden 20 Jahre solche Spuren, dass dies zu einem fortschreitenden Verfall der Burg und letztlich 1977 zur Sperrung für die Öffentlichkeit führte. 1981 bis 1991 wurde die denkmalgeschützte Anlage schließlich umfassend restauriert. Danach konnte das Museum 1991 mit neuem Konzept und neu gestalteten Ausstellungen wieder eröffnet werden.

Die Restaurierung der Burg 1984 bis 1991
1981: Einbau einer Stahlkonstruktion im Obergeschoss der Burg, um den freitragenden, einsturzgefährdeten Dachstuhl der oberen Halle abzufangen.
1984: Vollständige Restaurierung des Bergfriedes. Rekonstruktion des Treppenturmes am Westflügel und der angrenzenden Gebäudeteile der Nordfassade.
1985: Rekonstruktion des Ostflügels im nördlichen Bereich bis zum östlichen Flügelbau.
1986-1987: Rekonstruktion des Ostflügels im südlichen Bereich, Südfassade bis zum südlichen Flügelbau des Westflügels, mit Uhrturm. Beginn Rekonstruktion des Westflügels bis zum Anschluss Treppenturm.
1988-1990: Beendigung der Rekonstruktion des Westflügels, Dachdecker- und Malerarbeiten. Beginn des Innenausbaus der Burg. Ausbau des Burgkellers.
1991: Beendigung des Innenausbaus. Wiedereröffnung des Museums.

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