Zum Wesen des Staubes – Staubexpeditionen auf Burg Posterstein mit Wolfgang Stöcker, Köln

Datum + Uhrzeit: 19.05.2019 - 18.08.2019, ganztags / all day

Ort: Sonderausstellung - Museum Burg Posterstein

“Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit?”, fragte sich der Köllner Kunsthistoriker Wolfgang Stöcker und ging in der Burg Posterstein auf Staubexpedition. Seine Fundstücke dokumentierte er sorgfältig und goss sie anschließend zu Türmen auf Wachs. Die Ausstellung stellt mit einem Augenzwinkern essenzielle Fragen der Menschheit.

2004 gründete der Kunsthistoriker Wolfgang Stöcker in Köln das „Deutsche Staubarchiv“ und sammelt und archiviert seitdem Staubproben, die er von historisch-kulturell bedeutsamen Orten wie Kirchen, Kathedralen, Museen oder Orten politischen Handelns in Vergangenheit und Gegenwart entnahm.

Wolfgang Stöcker bei der Staubentnahme in der Ruine des Nordflügels der Burg Posterstein.

Wolfgang Stöcker bei der Staubentnahme in der Ruine des Nordflügels der Burg Posterstein.

Das Museum will einerseits diesen Mikrokosmos der Burg Posterstein in Ausstellung und Katalog sichtbar machen und damit auch Antworten auf Stöckers Fragestellungen geben: „Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen?“

Wolfgang Stöcker selbst bezeichnet diese „Kleinraumfoschung“ mit einem Augenzwinkern als „interdisziplinäre Pseudowissenschaft“. Dennoch wird jede entnommene Probe mit Datum, Auffindort und –situation dokumentiert und fotografiert. Der Staub wird analysiert und ein ausführlicher „Staubbericht“ angefertigt. Darin beschreibt Stöcker nicht nur die Beschaffenheit der Probe, sondern setzt sie in ihren kulturhistorischen Kontext. Wo wurde der Staub entnommen, was ist in diesem Raum zu finden und wie wurde er früher genutzt? Lassen sich Einflüsse seiner Bewohner oder der Besucher finden?

Räume (Dachböden, Speicher, Keller), die einem öffentlichen Publikum nicht zugänglich sind, werden durch Fotos, die Proben selbst und die geschilderten Eindrücke für den Besucher erfahrbar. Im Fall der Burg Posterstein können Kunsthistoriker und Museum den Besuchern so einzigartige Einblicke in die Architektur des Hauses, seine Nutzung sowie in seine Geschichte und die, der Region um Altenburg, geben.

„Architektur ist ein ständiger Versuch, amorphe Gesteine, Mörtel, Sande in eine dem Menschen genehme feste und dann bewohnbare Form zu bringen.“, beschreibt Wolfgang Stöcker seine Arbeit, Teile der Staubproben in sogenannte „Wachsschreine“ einzubetten. Daraus entstehen Häuser, Türme, bis hin zu ganzen Städten aus Wachs und Staub. Aus den Überresten entsteht etwas völlig Neues. Das verarbeitete Wachs wurde von den Besuchern gespendet und mit kleinen Notizen versehen. Im Staub gefundene Überreste der Museumsgäste (z.B. Bonbonpapier) werden ebenfalls in das Wachs eingeschlossen. So kann der Besucher als „Verursacher“, Beteiligter und „Spender“ selbst Teil der Ausstellung werden.

„Staub ist das kleinste gemeinsame Vielfach unserer Kultur. Staub ist ein Demokrat. Er besiedelt Paläste und einfache Hütten. Staub ist zudem vielleicht das einzige wirkliche Kunstwerk. In der Natur kommt Staub nämlich nicht vor. ‚Lästiger‘ Staub ist daher eine wirkliche Kunst- und Kulturerscheinung“, sagt Stöcker. Er wirft mit seiner Sammelleidenschaft die Fragen auf: Warum sammeln wir das eine und ignorieren das andere? Was ist es wert, für spätere Generationen bewahrt zu werden und was gerät für immer in Vergessenheit? Wie lange können wir alte Dinge erhalten, bevor auch sie irgendwann zu Staub zerfallen?

Vom Staubsammeln auf Burg Posterstein im Jahr 2017 berichtete TV-Journalist Gunter Auer:

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