Anna Dorothea von Kurlands Salon in Löbichau

Das 18. und 19. Jahrhundert war eine Zeit, in der Frauen kaum Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Mitbestimmung blieben. Selbst um Rechtsgeschäfte wie einen Kauf abzuwickeln, brauchten sie ihren Vormund. Mit ihrem Salon in Löbichau fand Anna Dorothea von Kurland einen Weg, um sich zu vernetzen und die eigene Position zur Geltung zu bringen. Weitere bekannte Salons betrieb die viel reisende Herzogin beispielsweise in Berlin und Paris. In ganz Europa verfügte sie über hervorragende Kontakte.

Gemälde von Herzogin Anna Dorothea von Kurland nach Grassi (Museum Burg Posterstein)
Herzogin Anna Dorothea von Kurland nach Grassi (Museum Burg Posterstein)

Internationale Gäste im Salon in Löbichau

1795 kaufte Anna Dorothea von Kurland mit Hilfe ihres Bruders die Güter Löbichau und Tannenfeld. Dadurch konnte sie eine eigene Residenz vorweisen. Dorthin lud sie Gäste, die das Leben mit Literatur, Musik und Theater ausfüllten, sich aber auch vernetzten. Hier traf sie unter anderem Johann Wolfgang von Goethe und Zar Alexander I. von Russland. Einer der bedeutendsten Männer der Region – Hans Wilhelm von Thümmel – und auch sein Herzog August von Sachsen-Gotha-Altenburg kamen gern nach Löbichau. Der kleine Ort wurde in den folgenden Jahrzehnten ein Zentrum des geistig-kulturellen Lebens in Deutschland.

Anna Dorothea von Kurland zählte damals zu den reichsten und einflussreichsten Frauen in Europa. Wegen ihres Salons in Löbichau und durch die Gastgeberin selbst, erlangte das heutige Altenburger Land für einen kurzen Zeitraum überregionale Bekanntheit.

Die Kurländerinnen zwischen Paris, Wien, Petersburg und Löbichau

Darüber hinaus lag Löbichau günstig an den damaligen Verkehrsrouten, die unter anderem von Berlin nach Wien und von Dresden nach Jena, Weimar und Erfurt führten. Die Kurländer besaßen ein Palais in Berlin, Schlösser in Schlesien und Häuser in Wien und Paris. Doch ihre zahlreichen Reisen führten Anna Dorothea von Kurland immer wieder zurück in das kleine Löbichau.

Blick in die Ausstellung zum Musenhof Löbichau (Museum Burg Posterstein)
Blick in die Ausstellung zum Salon in Löbichau im Museum Burg Posterstein

Das Museum Burg Posterstein setzt sich seit vielen Jahren für die Bewahrung der Tradition des Löbichauer Salons ein. Deshalb forscht und publiziert das Museum zum Thema. In Posterstein ist die umfangreichste Ausstellung zu diesem Teil der europäischen Salongeschichte in einem deutschen Museum zu sehen.

Zum Weiterlesen:

Der Musenhof Löbichau – Forschungs- und Ausstellungsschwerpunkt im Museum Burg Posterstein

Zusammenarbeit zwischen dem Museum Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand: 200 Jahre nach dem Wiener Kongress ist am Sonntag, 16. August 2015, ein französisch-deutscher Vertrag unterzeichnet worden, über gemeinsame Forschungsarbeiten des Museums Burg Posterstein und der Pariser Gesellschaft Les Amis de Talleyrand.
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